Geschichte der Freien Turner

Vom Arbeitersport- zum Kultverein

von Clemens Hüpfner

“Frisch, frei, stark und treu” (FFST) lautet spätestens seit 1907 die Losung all jener zahlreichen sportlich aktiven Handwerksgesellen, Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich nach 1890 von der bestehenden bürgerlichen Turnbewegung lossagten, um sich in eigenen Arbeitersport- und -kulturvereinen zu organisieren. Handelte es sich bei ihnen doch meist um Personen, die sich zeitgleich in der SPD und den Gewerkschaften engagierten. Deshalb wurden sie oft aus den bestehenden Turnvereinen ausgeschlossen oder waren in ihnen gesellschaftlich und politisch isoliert. Mit ihrer Devise und dem Bundesgruß “Frei Heil” wurde daher gleichzeitig die Unabhängigkeit dieser Arbeiter und Arbeiterinnen von einer Sportorganisation dokumentiert, die sich nach der Reichseinigung von 1871 immer nationalistischer gebärdete und den Sport zunehmend als vormilitärische Ausbildung und Wehrertüchtigung verstand. Konnte doch nach Ansicht der “Deutschen Turnerschaft” (gegründet 1868) “das Turnen nur dann seine reichen Früchte entfalten, wenn es als Mittel betrachtet wurde, dem Vaterlande ganze und tüchtige Männer zu erziehen” (Gothaer Resolution von 1861).

Es ist daher auch kein Wunder, dass es vor allem die Anhänger der 1869 gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei waren, die diesen Kurs innerhalb der Turnerbewegung nicht weiter mittragen konnten. Stand doch gerade diese Partei der zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft, den “Sedantagen” und dem beginnenden Imperialismus besonders ablehnend gegenüber und stellte auch sonst radikale soziale Forderungen.
Es dauerte allerdings bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, bis aus dieser Unzufriedenheit mit dem “Deutschen Turnerbund” und der von ihm vertretenen Politik eine eigenständige Arbeitersportbewegung erwuchs, die von der Mark Brandenburg ihren Ausgang nahm und sich 1893 in Gera in der Gründung des Arbeiterturnerbundes (ATB) niederschlug. Hatte doch zuvor das Sozialistengesetz Bismarcks vom 21. Oktober 1878 zur Eindämmung der “gemeingefährlichen“ Umtriebe der Sozialdemokraten jede unabhängige Vereinigung der Arbeiter und Arbeiterinnen verhindert, indem es den Behörden bis zu seiner Aufhebung 1890 erlaubte, sozialdemokratische Vereine und Organisationen aufzulösen, ihre Veröffentlichungen zu beschlagnahmen und die verantwortlichen Rädelsführer auszuweisen.

Von diesem Zeitpunkt an aber setzte eine stürmische Aufwärtsbewegung bei den neu gegründeten Arbeitervereinen ein. Sie führte trotz eines zehnstündigen Arbeitstages und einer generellen Sechs-Tage-Arbeitswoche dazu, dass sich die Arbeitersportbewegung vor dem Ersten Weltkrieg zu einer breiten Massenorganisation entwickelte. Auch wenn zum Beispiel Jugendlichen die Mitgliedschaft in diesen Vereinen immer noch untersagt werden konnte („Zöglingsverbot“), oder man den Vereinen die Nutzung städtischer Hallen und Plätze verbot. Nach dem Reichsvereinsgesetz vom 15. Mai 1908 musste man dazu nur den Verein für „politisch“ erklären. Dazu genügte es, wenn die Turner und Turnerinnen das gleiche Lokal wie die Sozialdemokraten benutzten oder ein Liederbuch hatten, in dem Lieder mit politischem Inhalt vorkamen. Trotzdem umfasste der Arbeiterturnerbund, der 1893 mit 125 Vereinen und 10.655 Angehörigen startete, im Jahr 1913 bereits 186.958 und 1920 sogar über 600.000 Mitglieder im Alter von über 14 Jahren in rund 5000 Vereinen.

Ein ähnlicher Trend konnte auch bei den anderen Arbeitersportorganisationen festgestellt werden, die sich 1912 zum Dachverband “Zentralkomission für Sport- und Körperpflege” mit dem Sitz in Berlin und später in Leipzig zusammengeschlossen hatten. So verfügte zum Beispiel der 1896 in Offenbach gegründete Arbeiterradfahrerbund “Solidarität” im Jahr 1920 über 150.000 Mitglieder in 3.000 Ortsgruppen und war damals der größte deutsche Radfahrerbund. Der Touristenverein “Die Naturfreunde”, gegründet 1895 in Wien, umfasste 230.000 Mitglieder. Aber auch die anderen Organisationen, wie der Arbeiterwassersportbund mit 38.000, der Arbeiterschachbund mit 6.000 oder der 1909 in Magdeburg gegründete Arbeitersamariterbund mit 9.000 Mitgliedern im Jahr 1920, konnten sich durchaus sehen lassen. Aufgrund der Einführung des Achtstundentages im Jahr 1918 stiegen die Zahlen während der Weimarer Zeit sogar noch weiter an. Das erklärte Ziel all dieser verschiedenen Vereine war es dabei, die Körperkultur der Arbeiter und Arbeiterinnen zu pflegen, denen ja im Vergleich zu den besser gestellten Kreisen nur sehr wenige Erholungsmöglichkeiten zur Verfügung standen.

Des Weiteren sollte mit ihrem Angebot ein Ausgleich für die meist eintönige Arbeit in den oft gesundheitsschädlichen Betrieben geschaffen werden, in denen sie ihren kargen Lohn verdienten. Man beugte zudem der Tuberkulose vor, die damals als reine “Proletarierkrankheit” galt. Für die ersten Forscher, die sich bereits 1922 mit der Geschichte des Arbeitersports beschäftigten, war es aber darüber hinaus außerdem klar, dass mit der sportlichen Betätigung auch ein Beitrag zur Stärkung der “Volkssitte” geleistet wurde, da die Arbeiter und Arbeiterinnen hierdurch “von übermäßigem Alkoholgenuss und sexuellen Abschweifungen ferngehalten” wurden (Fritz Kühn).

Die Arbeitersportbewegung in Würzburg

Eingebettet in diese allgemeine Entwicklung dauerte es daher auch in Würzburg bis in die neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts, bis sich auch hier, zunächst 1893 im damals noch nicht eingemeindeten Heidingsfeld und einige Jahre später auch in Würzburg, 

eigene Arbeitersportvereine bildeten, die der Freien Turnerbewegung angehörten.

Die Geburtsstunde unseres Vereins, der “Freien Turnerschaft Würzburg von 1899 e.V.”, war gekommen. Kurze Zeit später, im Jahr 1901, wurde sogar ein eigener Turnbezirk für den Raum Würzburg gebildet, der vierte im siebten Turnkreis des Arbeiterturnerbundes (für Nordbayern), nachdem auch in den damals noch selbständigen Orten Versbach und Unterdürrbach sowie in Thüngersheim, Kleinrinderfeld und anderen Orten Arbeitersportvereine entstanden waren. Nach dem ersten Weltkrieg verließen sogar einige Vereine, wie z.B. die TG Höchberg, den „bürgerlichen Sport“ (so formulierte es damals die Würzburger SPD-Zeitung, der „Fränkische Volksfreund“) und schlossen sich der Arbeitersportbewegung an. Anders als in anderen Städten fand unser Verein jedoch hier seine Mitglieder stärker unter den Handwerkern und Handwerkerinnen, den Kleingewerbetreibenden und kleinen Angestellten der Reichsbahn, da aufgrund der herrschenden wirtschaftlichen Struktur in Würzburg die Industriearbeiterschaft zahlenmäßig nur gering vertreten war.

Würzburg hatte erst relativ spät, nach der endgültigen Aufhebung der Festungseigenschaft 1867 und der Schleifung der Befestigungsanlagen, an der allgemeinen Aufwärtsbewegung Anteil genommen und sich in der Folge zu einer Verwaltungs- und Beamtenstadt entwickelt. Trotzdem stieg die Bevölkerung von 33.414 Einwohnern und Einwohnerinnen im Jahr 1867 auf über 75.497 im Jahr 1900 an, von denen die meisten allerdings als Zugezogene aus der näheren bäuerlichen Umgebung stammten. So kam es, dass 1907 rund 60 Prozent der Einwohner und Einwohnerinnen keine gebürtigen Würzburger waren. Zu ihnen gehörten offensichtlich auch viele der genannten 30 Gründer der Freien Turner. So wurde zum Beispiel Andreas Schmidbauer, der das „Banner der Freien Turnerschaft“ in Würzburg aufgepflanzt hatte, in Pfaffenhofen geboren. Der spätere erste Vorstand Alfred Kraus kam aus Frömsdorf in Schlesien. Ferdinand Rüthlein wurde in Theilheim geboren, Karl Spies in Karlstadt und Adolf Racky in Biebrich. 

Städtische und staatliche Verwaltungsbehörden, die Universität und vor allem das Kleingewerbe prägten das Bild der Stadt, da in Würzburg die Zahl der Selbständigen nach der Einführung der Gewerbefreiheit 1862 stark angestiegen war (um 37,8% innerhalb von drei Jahren).
Demgegenüber gab es aber nur wenige größere Industrieunternehmen, obwohl von hier aus mit der Gründung der Firma Koenig und Bauer 1817 die Industrialisierung in Bayern ihren Anfang nahm. Bei ihr waren im Jahr 1936 etwa 1000 Menschen beschäftigt. Im Gefolge des Eisenbahnbaus waren noch weitere Industrieunternehmen entstanden, wie die Waggonfabrik Noell mit 500 Beschäftigten (1936) und die Maschinenfabrik Reinhardt. Die Druckerei Stürtz mit 600, die Würzburger Hofbräu (275) und die Frankonia-Schokoladenwerke mit 250 bis 700 Beschäftigen (je nach Saison) waren weitere Betrieb, die von größerer Bedeutung waren. Insgesamt stellte damit die Arbeiterschaft aber noch nicht einmal ein Fünftel der Einwohnerschaft der Stadt. 

Ein scheinbar „steiniger Boden“ (so die Festschrift von 1924) also für die 30 Gründer des Vereins, wenn auch die guten Ergebnisse der Würzburger SPD in den Reichstagswahlen von 1878 (11,8%), die weit über dem bayerischen Durchschnitt und sogar über dem Reichsdurchschnitt der SPD lagen, durchaus zu berechtigten Hoffnungen Anlass gaben. Allerdings hatte auch in Würzburg das bereits erwähnte Sozialistengesetz “gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie” nach 1878 zum vollständigen Zusammenbruch der Arbeiterorganisationen geführt. Dennoch setzte auch in Würzburg nach der Gründung des Vereins 1899 eine stetige Aufwärtsentwicklung ein, so dass der Verein im Jahr 1914 bereits aus 200 Mitgliedern, 10 Turnerinnen, 20 Zöglingen und 25 Schülern bestand. Das Hauptbetätigungsfeld der meisten Vereinsmitglieder zu dieser Zeit war das Turnen. Die regelmäßigen Turnstunden fanden anfänglich in der Zellerauer Schulbaracke und später bis 1933 in der städtischen Stift Hauger Schulturnhalle statt. Die Benutzung hatte die Stadt nach 1905 genehmigt. 

Das Fußballspielen hatte der Arbeiterturnerbund seinen Vereinen hingegen erst im Juni 1909 offiziell erlaubt. Eine rasche Aufwärtsentwicklung der 1911 gegründeten Fußballabteilung setzte daher erst nach dem ersten Weltkrieg ein. Sie nutzte ebenso wie die Turnabteilungen im Sommer meist den städtischen „Gardistenplatz“ (heute Sportgelände des Siebold-Gymnasiums). Der Kriegsausbruch 1914 und der nachfolgende Weltkrieg brachten jedoch das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen, da sie meisten Aktiven in den Krieg ziehen mussten. Vierzehn Turner fielen im Krieg.

Die Weimarer Republik

Ein neuer Anfang musste also nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 gewagt werden, der nach anfänglichen Schwierigkeiten auch gelang. Schon bald nach dem Kriegsende und der Zerschlagung der Würzburger Räterepublik am 8. April 1919 nutzten die Freien Turner noch im selben Monat schon wieder den „Gardistenplatz“. 

Auch das 20. Stiftungsfest des Vereins wurde am 27. Juli 1919 gefeiert und läutete auch in Würzburg die „Blütezeit der Arbeitersportbewegung“ ein. Neue „Schülerinnen-, Schüler-, Zöglings- und Turnerinnen-Abteilungen“ entstanden, wobei das Hauptaugenmerk des Vereins nun auf dem Geräteturnen lag. Ein wesentlicher Grund für die nun einsetzende rasante Aufwärtsentwicklung dürfte dabei die Zuweisung eines eigenen Sportgeländes mit 29 720 Quadratmetern gewesen sein. Der Verein erhielt es durch einen Stadtratsbeschluss vom 5. Januar 1922. Es befand sich „unterhalb“ des 1894 errichteten städtischen Pumpwerkes in der Mergentheimer Straße auf den „Schweinauer Wiesen“, zwischen der Heidingsfelder Eisenbahnbrücke und dem Sebastian-Kneipp-Weg. Da die Wiesen im „gegenwärtigen Zustand“ übergeben wurden, mussten die Freien Turner hier allerdings „mit viel Idealismus“ und „eigenem Fleiß“ selbst einen Sportplatz und eine Sportplatzhalle (vermutlich aus Holz) errichten. Immerhin wurden den Freien Turnern und den beiden anderen nun dort angesiedelten Vereinen (TGW und DJK) hierzu zusammen 70 000 Mark von der Stadt zur Verfügung gestellt. Begünstigt durch die Lage des Sportplatzes bildete sich noch im selben Jahr eine Schwimm- und Wassersportabteilung, der zwei Jahre später schon 150 Mitglieder angehörten. 

Wettkämpfe fanden zu dieser Zeit nur innerhalb der Arbeitersportbewegung statt. Während sich die Turnabteilungen und Schwerathleten in Vergleichskämpfen und auf Kreisfesten maßen, fanden die „Wettspiele“ der Ballsportarten (Fußball, Faustball, Handball) in eigenen Ligen statt. Eigene Bezirks-, Kreis- und sogar Bundessieger wurden ermittelt. Während hingegen Spiele mit Vereinen des „bürgerlichen Sports“ (z.B. den Würzburger Kickers von 1907) ebenso verboten waren wie Spiele mit den aufkommenden „Werksportvereinen“ (der Postsport-Verein von 1927 und der 1928 gegründete Reichsbahn-Turn- und Sportverein). Vor allem die letzteren wurden als „Köder“ empfunden, mit deren Hilfe Unternehmer und Betriebe „die Proletarier ihren Klassengenossen entfremden“ wollten. Dabei führten sich diese Werksportvereine meist „recht harmlos“ ein. „Freizeit zum Training und zur Vorbereitung eines Sportfestes, Verpflegung und Sportkleidung auf Betriebskosten, eigene Sportplätze, niedriger Beitrag“ wurden geboten. Nach Ansicht des „Fränkischen Volksfreundes“ wollten sie den Arbeitern den „Gedanken der Werkgemeinschaft“ einbläuen. Das konnte aber nicht im Sinne der Arbeitersportbewegung sein. Sie wurden daher als Konkurrenz empfunden, die der Integration der Arbeiterschaft in die Arbeiterbewegung im Wege waren.  

Auch die Sicht auf die Spiele der Mannschaftssportarten war eine völlige andere: Denn nach Auffassung des „Frankfurter Arbeitersportkartells“ drehte es sich im „bürgerlichen Sport“ in „erster Linie“ um „die Züchtung einer Gruppe Sportheroen, um die Breitmachung einer Armee ´Prominente´. Alles will sich einen ´Namen´ machen, der Sport ist ja überaus populär. Man verlange von all diesen einmal eine selbstlose Tätigkeit, ohne genannt zu werden, ohne persönliche Vorteile zu haben und man wird sehen, dass sich die Reihen stark lichten. Es sind eben zwei grundverschiedene Ursachen“, die zum „Beitritt zum Arbeitersport oder bürgerlichen Sportvereinen“ führen. Deshalb wurden während der Weimarer Zeit bei den Berichten über die Mannschaftssportarten auch im „Fränkischen Volksfreund“ zwar die Ergebnisse, aber niemals die Torschützen oder einzelne Spieler namentlich genannt. Die besonderen Höhepunkte des Vereinslebens jener Jahre waren für die Mitglieder das 25. Stiftungsfest des Vereins im Jahr 1924, vor allem aber die Teilnahmen an den Bundesfesten des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig (1922) und Nürnberg (1929) sowie an der ersten internationalen Arbeiterolympiade im Jahr 1925 in Frankfurt am Main. An dieser waren über 100 000 Arbeitersportler und -sportlerinnen beteiligt und 450 000 Menschen sahen sich die Veranstaltungen an. Allerdings standen auch sie schon im Zeichen der aufkommenden Spaltung der Arbeiterbewegung in Kommunisten und Sozialdemokraten, die bei den Freien Turnern in Würzburg glücklicherweise keinen Niederschlag fand. Weitaus härter traf den Verein hingegen die für den Samstag, den 3. Mai 1930 mitten im Spielbetrieb erfolgende Sperrung des Sportgeländes auf den Schweinauer Wiesen. Hier sammelte sich das von den Höhen der „Waldkugel“ herabfließende Wasser von Trinkwasserquellen aus dem Guttenberger Forst. Da man eine Verschmutzung des Wassers durch die Hinterlassenschaften der Sportler- und Sportlerinnen befürchtete, wurden die Sportplätze mit sofortiger Wirkung gesperrt. Selbst die für dasselbe Wochenende geplanten Spiele mussten abgesagt werden. 

Ein harter Schlag für den Verein, auch wenn er von der Stadt relativ zügig am heutigen Standort in der Mergentheimer Straße 13c und am Main neues Gelände zum Anlegen von Sportplätzen und zum Aufstellen seiner Sportplatzhalle zugewiesen bekam. Die Einweihung des wieder aufgebauten Vereinsheimes fand nach dem Umzug im Beisein des Würzburger Oberbürgermeisters Dr. Löffler bereits am 4. Januar 1931 statt. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt von der „zukünftigen Gestaltung“ des Sportplatzes noch nichts zu erkennen, was vor allem für die Fußball-, die Handball- und die Faustballabteilung eine enorme Belastung war. In den Generalversammlungen jener Jahre wurden daneben noch die „unheilvollen Auswirkungen“ der Weltwirtschaftskrise, die „fortgesetzte Arbeit“, die „ungeheuren Geldausgaben“ und die „schweren finanziellen Belastungen durch die Sportplatz-Angelegenheit“ beklagt, von denen sich der Verein nur langsam zu erholen begann. Doch sollte nicht darüber vergessen werden, dass sich die Mitglieder der FTW zu dieser Zeit auch politisch stark engagierten, vor allem im Kampf gegen den zur Macht drängenden Nationalsozialismus. So wurden zum Beispiel sogar noch am 18. Februar 1933, also bereits nach der “Machtergreifung” der Nationalsozialisten,

alle Fußballspiele der Freien Turnerschaften im Kreis Würzburg abgesagt und eine “restlose Beteiligung an der Kundgebung der Eisernen Front gegen die Nazis” am nächsten Tag in der Frankenhalle gefordert. Dazu hieß es im “Fränkischen Volksfreund” von diesem Tage: “Es ist die Pflicht eines jeden Genossen, den am Sonntag stattfindenden Wahlkundgebungen und Demonstrationszügen beizuwohnen und sie mitzumachen. … Es geht um Sein oder Nichtsein des arbeitenden Volkes. Die Kampfansage des Reichskanzlers (Hitler) “Vernichtung des Marxismus” bedeutet für uns das Verbot des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, Aufhebung der Eigenheime und Einziehung des Vereinsvermögens. Genossen: Wenn wir das mit großer Mühe Errungene und Erkämpfte nicht preisgeben wollen, heißt es handeln. Zeigt unseren Gegnern, dass wir da sind, wenn der Ruf an uns ergeht.” Und einige Wochen später, am 04. März 1933, erfolgte noch einmal der Aufruf an alle Arbeitersportler: “Kampf gegen jede Unfreiheit des Geistes! Kampf jeder Knechtschaft und jeder Tyrannei!” Doch gelang es trotz dieser Entschlossenheit nicht, das Unglück abzuwenden, das nun über die Arbeiterbewegung und ihre Sportvereine hereinbrach.

Die schwärzesten Stunden der freien Turner 

Denn schon bald nach der nun folgenden Reichstagswahl vom 05. März 1933, bei der die NSDAP in Würzburg einen Stimmenzuwachs von beinahe 12% gegenüber dem November 1932 verbuchen konnte, wurden am 10. März in Würzburg die Partei- und Gewerkschaftshäuser besetzt und neben den Stadträten und Parteiführern der SPD auch unser Vereinsvorsitzender, Josef Oestreicher, in “Schutzhaft” genommen. Seine Wohnung wurde durchsucht und jegliches Schriftgut über den Verein konfisziert. Am 18. oder 20. März wurden die in der Stift Hauger Schulturnhalle gelagerten Turngeräte und die Musikinstrumente des Trommler- und Pfeiferkorps beschlagnahmt. Das Vereinsheim und der Sportplatz wurden von der Hitlerjugend besetzt, der auch die beschlagnahmten Geräte und Instrumente zur Verfügung gestellt wurden. 

Arbeitersport war damit bis 1945 in Würzburg nicht mehr möglich und die Tätigkeit in den damals bestehenden Abteilungen Faustball, Handball, Leichtathletik, Wassersport, Ringen, Gewichtheben, Boxen, Schwimmen, Fußball und Turnen, an deren Veranstaltungen 1932 noch über 2.500 Menschen teilgenommen hatten, kam zum Erliegen. Trotzdem versuchten die noch vorhandenen Arbeitersportler während der nun folgenden Jahre, den Kontakt untereinander aufrecht zu erhalten und sich gegenseitig zu helfen.Dies war allerdings nicht ungefährlich: So wurden mehrere Mitglieder des Vereins im Januar 1937 wegen „kommunistischer Betätigung“ verhaftet, weil sie an der Beerdigung des Vereinsmitgliedes Johann Schmitt einen Kranz mit Schleife „in den Farben der aufgelösten Freien Turnerschaft“ niedergelegt und ein Mitglied eine Grabrede gehalten hatte. Man warf ihnen zudem „Vorbereitung zum Hochverrat“ vor, weil sie auf nachfolgenden Treffen von Vereinsmitgliedern der Fußballabteilung in verschiedenen Gasstätten „staatsabträgliche Reden“ gehalten hatten. Da es sich bei ihnen um „gefährliche Staatsgegner“ handelte, wurden sie zu Strafen von bis zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Andere Mitglieder, wie der bekannte Schwerathlet Otto Menig (senior) und der mehrmalige Vereinsvorsitzende Adolf Racky, haben wegen ihrer Überzeugungen sogar einige Zeit im Konzentrationslager Dachau verbracht.    

Neuanfang nach 1945

Trotzdem war es wohl diesen Kontakten untereinander zu verdanken, dass es den zumeist älteren Anhängern der Freien Turner nach 1945 wieder relativ rasch gelang, ihren Sportverein wiederaufleben zu lassen. Dabei waren die Startbedingungen schwierig. Das Vereinsheim hatte zwar den 16. März 1945 und die nachfolgenden Kämpfe im April überlebt, wurde aber bei einer Benzinexplosion in der Nähe schwer beschädigt und danach völlig zerstört (siehe Chronik). Das Sportgelände, während der NS-Zeit von der Hitlerjugend besetzt, wurde zunächst vermutlich von den Amerikanern benutzt. Sie gaben es erst im September 1947 für die Veranstaltung des ersten ADAC-Motorradrennens frei, das nach den Angaben Werner Dettelbachers vor 15 000 Zuschauern auf der Aschenbahn unseres Sportgeländes stattfand. Trotzdem fand am 11. Mai 1946 in der “Alpenrose“ in Grombühl die Wiedergründungsversammlung statt. In der Versammlung wurde der letzte Vorsitzende von 1933, Josef Oestreicher, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der Verein umfasste sofort wieder 75 Mitglieder, darunter 12 Frauen. Ihm schloss sich jetzt der Kraftsportklub „Attila“ als Abteilung an.  Zu ihr gehörten die Gebrüder Markert und Hans Englert, deren Training mit einer Hantel in einem Kellerraum startete. 

Erst nach der Rückkehr Otto Menigs aus der Kriegsgefangenschaft 1947 gelang es ihr, eine eigene improvisierte Ringermatte anzuschaffen, die aus alten Hopfensäcken zusammengenäht war. Das Training begann für „sämtliche Abteilungen“ am 06. Juli 1946 in der Radrennbahn auf der Mönchberghöhe. Am 02. Mai 1947 hielt die Fußballabteilung ihre Gründungsversammlung ab. Abteilungsleiter wurde Fritz Kaufmann, der bereits 1928 vom Würzburger FV zur FTW kam. Bedingt durch den Tod oder die Kriegsgefangenschaft zahlreicher jüngerer Mitglieder war der Verein stark überaltert. So waren zum Beispiel die ältesten aktiven Spieler der Fußballabteilung damals mit Kriege, Valentin Wagenhäuser und Wolfgang Bankl 40, 48 und 51 Jahre alt. Die Fußballschuhe und den größten Teil der Sportbekleidung musste man auf dem Schwarzmarkt besorgen. Ebenso wurde der Spielbetrieb auf dem Gelände in der Mergentheimer Straße improvisiert. Umgezogen wurde direkt am Platz und die Kleider wurden an eingeschlagenen Nägeln an den Bäumen aufgehängt. Die Spielerversammlungen fanden in den verschiedenen Grombühler Gaststätten statt. Unter der Vorstandschaft von Wilhelm Puschert und Wolfgang Bankl begann bereits im Sommer 1949 der Wiederaufbau des Vereinsheims. Die Baumaterialien hierfür wurden zum Teil von der Stadt zur Verfügung gestellt, wobei die Vereinsmitglieder sie allerdings meist selbst aus den Trümmern der zu über 90 Prozent zerstörten Stadt bergen mussten. Doch wurde der Wiederaufbau des Vereinsheims in geringem Maße auch finanziell unterstützt.

Am 19. Dezember 1947 bekam der Verein seine Lizenz als Sportverein mit Erlaubnis der Militärregierung vom Stadtrat. Auch das 50. Stiftungsfest des Vereins konnte 1950 nachgefeiert werden, wenn auch nur in bescheidenem Umfang. Die Arbeiten am neuen Vereinsheim zogen sich infolge der finanziellen Engpässe und der bestehenden Materialknappheit aber trotzdem noch einige Jahre hin, bis endlich, am 30. Oktober 1954, die Einweihung des neuerbauten Heimes gefeiert werden konnte. Bereits zwei Jahre später, im September 1956, wurde der Grundstein für eine eigene Turnhalle gelegt, um den neuerstandenen Hallensportabteilungen, wie zum Beispiel der 1953 gegründeten Tischtennisabteilung, geeignete Sportanlagen zur Verfügung stellen zu können. Über 25.000 DM und 4800 Stunden Eigenleistung der Vereinsmitglieder wurden unter dem damaligen Vorstand Heinz Kruse in diese Turnhalle investiert, ehe sie am 06. und 07. Juli 1957 endlich ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Eine große Hilfe dabei war sicher, dass der Verein im April 1956 einen Betrag von 11 683,30 DM zugesprochen bekam, als Wiedergutmachung für die erlittenen Schäden durch den Nationalsozialismus. Zu dieser Zeit waren im Rahmen der Freien Turner Würzburg Abteilungen für Turnen, Rhönrad, Faustball, Ringen, Gewichtheben, Fußball, Judo, Tischtennis und Korbball vorhanden. Und sogar für die musikalische Begleitung war gesorgt. Die FTW verfügte über einen eigenen Spielmannszug, der nicht nur bei Vereinsfesten auftrat, sondern auch an verschiedenen Musikfesten teilnahm und beim Würzburger Rosenmontagszug mitmarschierte. 

Die Zukunft des Vereins schien also gesichert, zumal damals im Verein auch noch umfangreiche Jugendarbeit betrieben wurde. So verfügte allein die Fußballabteilung neben ihren vier aktiven Mannschaften im Erwachsenenbereich auch noch über zwei Jugendmannschaften und ein Schülerteam. Auch der Erfolg schien gegeben: Die erste Mannschaft konnte in der Saison 1956/57 unter ihrem Trainer Sepp Mateyka die Vizemeisterschaft in der C-Klasse Würzburg erringen. Doch blieb man damit natürlich im Schatten der großen Würzburger Fußballvereine. Ihren relativ hohen Bekanntheitsgrad verdankten die Freien Turner daher eher den Sportlern anderer Disziplinen. So stellten die FTW zum Beispiel mit Peter Söder einen Bundeswettkampfsieger im Rhönradfahren und die Gebrüder Markert konnten im Jahr 1968 sogar die Bayerische Meisterschaft im Gewichtheben erringen.

Eine Zeit des Niederganges 

Jedoch konnten diese Erfolge nicht darüber hinwegtäuschen, dass nun eine Zeit des sportlichen und personellen Niederganges begann. Zahlreiche ältere Mitglieder schieden aus Altersgründen aus und es gelang trotz intensiver Bemühungen nicht,

diesen Aderlass durch eine ausreichende Nachwuchsarbeit und Mitgliederwerbung zu kompensieren. Dies schlug sich bald in einem Rückgang der Mitgliederzahlen und der Auflösung von Abteilungen nieder, die aufgrund des Nachwuchsmangels nicht mehr aufrechterhalten werden konnten. So mussten bereits gegen Ende der fünfziger Jahre die Judo-, die Korb- und die Faustballabteilung aufgelöst werden. In den sechziger Jahren stellten die Rhönradfahrer und Schwerathleten ihren Sportbetrieb ein. Nach und nach mussten weitere Abteilungen diesem Beispiel folgen, bis der Verein schließlich nur noch aus einer Tischtennis- und einer Fußballabteilung bestand. Diese erlebten jedoch erstaunlicherweise beide gerade in dieser Zeit einen Höhepunkt ihrer Entwicklung. So gelang es zum Beispiel der Tischtennisabteilung 1968/69 mit ihrer ersten Herrenmannschaft (Matuschka, Lexa, Rüber, Ulrich, Krämer, Dorn) in die 2. Bezirksliga-Ost aufzusteigen und sich dort immerhin bis zur Saison 1973/74 zu behaupten. Die Fußballabteilung stieg in der Saison 1968/69 erstmals in die die B-Klasse auf. Jedoch konnte sie diese Klasse nicht halten, sodass es bereits zwei Spielzeiten später zum Wiederabstieg kam. 

Keine guten Vorgaben also für das 75-jährige Vereinsjubiläum der Freien Turner, das am 7. Juni 1974 mit einer Eröffnungsrede des damaligen Würzburger Oberbürgermeisters Klaus Zeitler (SPD) begangen wurde. Zumal zwei Jahre zuvor, in der Nacht von 12. auf den 13. Juli 1972, auch noch die Vereinsgaststätte vollständig ausbrannte, wobei ein Sachschaden von 15.000 DM entstand. Trotzdem wurde dieses Vereinsjubiläum ein freudiges Ereignis, bei dem die langjährigen Vereinsmitglieder Willi Ros, Fritz Kaufmann und Willi Eilers für ihre Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. In der von 1972 bis 1978 erscheinenden Vereinszeitschrift “FTW-aktuell”, die allen Mitgliedern kostenlos zugeschickt wurde, wurde in einer Sondernummer ausführlich darüber berichtet. In den folgenden achtziger Jahren führte der Verein schließlich nur noch ein Schattendasein. Sport wurde nur noch in den Abteilungen Fußball und Tischtennis und bei der 1978 gegründeten Damengymnastik betrieben und das auch nur mit mäßigem Erfolg.

Wende 1989 

Mit der Wahl des erst kurz zuvor in den Verein eingetretenen Johann Glücker zum ersten Vorsitzenden am 3. Dezember 1989 begann auch bei den Freien Turnern die „Wende“.

So übernahm Hans Glückers damalige Lebensgefährtin Elisabeth „Lissi“ Hornberger ehrenamtlich die Bewirtschaftung des Vereinsheims, um dem Verein dauerhafte Einnahmen zu sichern. Auch personell erholte sich der Verein, da es vor allem der Fußballabteilung gelang, Studenten der Universität Würzburg für ihre Mannschaften zu gewinnen. So konnte man bereits ab Herbst 1994 auch wieder mit einer zweiten Mannschaft am Spielbetrieb teilnehmen. Größere Beträge für die Vereinskasse konnten in dieser Zeit durch die Ausrichtung der 19. „Alte Herren“-Hallenstadtmeisterschaft 1993 und der XIII. Stadtmeisterschaft der ersten Mannschaften im Hallenfußball 1994 erwirtschaftet werden. Sie wurden für die dringend notwendige Sanierung des Turnhallendachs verwendet. Ab 1995 wurde die Neuanlage des damals still gelegten großen Sportplatzes (heutiger Hauptplatz) geplant, die 1998 nach Gesamtkosten von 250 000 DM abgeschlossen werden konnte. So konnte im Juni 1999 das 100. Stiftungsfest der Vereinsgründung gefeiert werden. Für den Verein war die Feier ein „großer Erfolg“ (so Hans Glücker), auch wenn er sich im Gefolge einmal mehr finanziell in einer prekären Lage befand. Am Ende des Jahres drückten den Verein Verbindlichkeiten in Höhe von 36 000 DM.

Eine Last, von der sich der Verein auch in den Jahren danach nicht mehr befreien konnte. So drückten den Verein zu Beginn des Jahres 2006 immer noch Schulden in Höhe von 28 000 Euro. Auch sportlich hatte es in dieser Zeit zunächst einen Lichtblick gegeben: Nach dem Zugang der Brüder „Alex“ und Thomas „Hugo“ Boss stieg die erste Mannschaft der Fußballabteilung 2003 mit ihrem Trainer Robert Wischer in die Kreisklasse auf. Leider erfolgte der Wiederabstieg im Jahr 2007. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein insgesamt auch nur noch rund 100 Mitglieder. Sportlich und finanziell schien es Zeit für eine Modernisierung und einen Neuanfang zu werden.

Der Neuanfang beginnt

Nach der Neuwahl auf der Generalversammlung vom 3. Juni 2007 übernahm daher eine Gruppe erfahrener Spieler der Fußballabteilung unter der Führung von Markus Schüll (1. Vorsitzender) und Burkard Pechtl (2. Vorsitzender) das Steuer und damit die Verantwortung für die Zukunft des Vereins.

Sie wurden unterstützt von Gerald „Harris“ Fuchs und Dieter Harth als Schriftführer. Oswald Lexa blieb weiter der Leiter der Tischtennisabteilung, nur die Fußballabteilung bekam mit Clemens Hümpfner eine neue Führung. Hans Glücker wurde für seine Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er hatte sich zuvor für die Wahl zum ersten Vorsitzenden nicht mehr zur Verfügung gestellt. Bald darauf wurden bereits die ersten Projekte der neuen Vorstandschaft in Angriff genommen. So wurde für den Verein eine Homepage erstellt und man ergriff weitere Maßnahmen zur Spieler- und Mitgliederwerbung (Flyer an der Uni, Bekleben der Stromkästen vor dem Vereinsheim). Vor allem aber wurden sofort die Toiletten im Keller saniert, die teilweise (Damen-Toilette) seit Jahren nicht genutzt werden konnten. Die Kosten von 3500 Euro konnten durch Spenden von Vereinsmitgliedern aufgebracht werden. Gleichzeitig wurde mithilfe der Distelhäuser Brauerei in die Gaststätte investiert (neue Theke, neue Ausstattung, neue Bestuhlung im Außenbereich, usw.) und ein neuer Wirt bestellt (zunächst Wolfgang, der „Haxen-Wirt“), um die Einnahmesituation des Vereins nachhaltig zu verbessern. Allerdings gestaltete sich in den Jahren danach die Zusammenarbeit mit den zunächst oft wechselnden Pächtern der Gastwirtschaft hin und wieder schwierig. Mit manchen wurden gute Erfahrungen gemacht (z.B. mit Liane Funk), mit anderen leider weniger. Erst mit der Übernahme der Gaststätte durch unsere jetzigen Wirtsleute Lena Kistner und Haris Ghimire im Jahr 2016 war endlich eine Kontinuität verbunden. Die Anstrengungen des Vorstandes waren schon bald mit sichtbaren Erfolgen verbunden. So wuchs die Mitgliederzahl des Vereines seither von rund 100 Mitgliedern zu Beginn auf aktuell 560 Mitglieder.

Das lag zum Teil daran, dass aus der Studentenschaft neue Spieler für die Fußballabteilung gewonnen werden konnten. Ihre Mitgliedszahl stieg stetig an, auf aktuell 213 Mitglieder. Fast wichtiger noch war für den Verein, dass sich ihm seit 2007 eine ganze Reihe neuer Abteilungen in neuen Sportarten anschloss. Sie bereichern seither nicht nur das Vereinsleben und den Verein, sondern verleihen ihm in vielerlei Hinsicht im Würzburger sogar ein Alleinstellungsmerkmal. So verfügen die Freien Turner nun seit 2010 über eine Lacrosse- (aktuell 54 Mitglieder) und eine Taekwondo-Abteilung (33). Seit 2017 gibt es Ninjutsu (22), seit 2018 Ultimate Frisbee (65) und Damen-Fußball. Im Jahr 2021 entstand Basketball (33) und 2022 Abteilungen für Steel-Dart (27) und Flag Football (38). Daneben bestehen aber immer noch unsere Abteilungen für Damengymnastik (20), die Camper (einschließlich Pilates 18) und natürlich unsere Tischtennisabteilung mit 31 Mitgliedern. Es ist daher eigentlich kein Wunder, dass unsere Vorstandschaft von der „Main-Post“ und dem Verband Würzburger Sportvereine im Mai 2013 zum „Vorstand des Jahres 2012“ erkoren wurde. Hat sie doch bis zum heutigen Tag noch eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen initiiert und abgeschlossen, auf die der gesamte Verein stolz sein kann. So wurde bereits im Jahr 2010 die komplette Sanierung der Duschen, Wassertanks und der Einbau einer neuen Heizung im Vereinsheim abgeschlossen. Die Finanzierung erfolgte wieder weitgehend durch zinslose Darlehen von Vereinsmitgliedern. 2013 wurde auf dem Trainingsplatz die Flutlichtanlage erneuert und eine Beregnungsanklage eingebaut (Kosten: 39 000 Euro). 2016 wurde nach Plänen von Thomas Bieber das Dachgeschoß des Vereinsheims aufgestockt und der Dachstuhl vollkommen erneuert. Zwei neue Räume entstanden. Das Projekt kostete 160 000 Euro.  

Zudem ist der Verein auch gesellschaftspolitisch aktiv: Im Jahr 2014 wurde von Stefan Rinke bei den Freien Turnern das Integrationsprojekt „Sport ohne Grenzen“ initiiert, für das der Verein mehrfach ausgezeichnet wurde (z.B. BFV-Sonderpreis). Es ermöglicht Asylbewerbern ohne jegliche finanzielle Belastung die Teilnahme am normalen Sportbetrieb des Vereins. Aber auch in sportlicher Hinsicht kann sich derzeit die Bilanz der Freien Turnerschaft Würzburg durchaus sehen lassen: Zwar ist die erste Mannschaft der Fußball-Abteilung leider im Sommer 2024 wieder aus der Kreisliga abgestiegen. Aber zuvor hat sie mit ihrem Trainer Dominik Friesacher zwei Meisterschaften in Folge erreicht und war das erste Mal in der Vereinsgeschichte überhaupt in diese, für unsere Verhältnisse relativ hohe Spielklasse aufgestiegen. Beide Mannschaften unserer Lacrosse-Abteilung spielen Landesliga. Die erste Mannschaft der Tischtennisabteilung spielt Bezirksklasse A und das Flag Football – Team und das Mixed-Team der Ultimate Frisbee – Abteilung spielen sogar erste Liga. Daneben gibt es sogar amtierende Meister, Nationalspielerinnen und Nationalspieler in unserem Verein. Es gibt also viel zu erzählen und zu feiern beim Vereinstag am 6. Juli zum 125-jährigen Bestehen.  Daran erinnern werden wir uns dann gerne später, nach weiteren erfolgreichen Jahren gemeinsam, beim 150. Stiftungsfest unseres nicht ganz alltäglichen Kultvereins.